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Sicherheits­relevante Forschung im Stifterverband

Cybersecurity (Symbolbild) (Foto: Tima Miroshnichenko/Pexels)
Cybersecurity (Symbolbild) (Foto: Tima Miroshnichenko/Pexels)
Missionsorientierung
Sicherheitsrelevante Forschung
Einblick
Text
Maik Gebert (Foto: Marcel Schwickerath)
Maik Gebert (Foto: Marcel Schwickerath)
Maik Gebert
Veröffentlicht
20.07.2026

Sicherheitsrelevante Forschung ist weit mehr als militärische Technologieentwicklung. Sie ist ein Schlüssel für Resilienz, technologische Souveränität und wirtschaftliche Wertschöpfung – und damit ein zentrales Element moderner Innovationspolitik. Geopolitische Spannungen, technologische Abhängigkeiten und hybride Bedrohungen haben verändert, was Sicherheit bedeutet. Sie meint längst nicht mehr allein militärische Verteidigungsfähigkeit, sondern auch verlässliche Energieversorgung, stabile Kommunikationsnetze und widerstandsfähige Infrastrukturen. Damit rückt Forschung stärker ins Blickfeld: Sicherheit hängt zunehmend davon ab, wie gut sich Wissen und Innovation strategisch nutzen lassen.
 
Seit 2022 sind vor allem die Verteidigungsbudgets gestiegen. Höhere Ausgaben sind eine wichtige, aber noch keine hinreichende Voraussetzung für Sicherheit. Ob aus Investitionen tatsächlich Schutz und Wertschöpfung entstehen, hängt davon ab, wie gut Forschung, Erprobung und Anwendung ineinandergreifen.

Wie der Stifterverband wirkt

 
Deutschland verfügt über ein leistungsfähiges ziviles Forschungssystem, dessen sicherheitspolitisches Potenzial bislang nur teilweise genutzt wird. Der Stifterverband setzt an dieser Schnittstelle an. Er bringt Wissenschaft, Wirtschaft und Politik in einen Dialog, der oft an Ressort- und Sektorengrenzen endet, und übersetzt die Ergebnisse in Handlungsempfehlungen.

Leitend ist dabei ein bewusst abgewogenes Verständnis: Es geht nicht darum, zivile Forschung zu militarisieren, sondern darum, sicherheitsrelevante Potenziale, Risiken und Anwendungsmöglichkeiten frühzeitig zu erkennen und verantwortungsvoll zu steuern. Wissenschaftsfreiheit, Ergebnisoffenheit und klare ethische wie rechtliche Leitplanken bilden die Grundlage. Diesen Ansatz verfolgt der Stifterverband mit Fachgesprächen, Länder-Roundtables mit Vertreterinnen und Vertretern der Bundesländer und Analysen, zuletzt mit zwei Publikationen, die das Feld systematisch untersuchen.

Wer in Sicherheit investiert, muss auch in das Wissen investieren, das sie möglich macht.

Andrea Frank (Foto: Marcel Schwickerath)
Andrea Frank (Foto: Marcel Schwickerath)

Andrea Frank

Stellvertretende Generalsekretärin des Stifterverbandes

Sicherheit als Innovationsaufgabe – auch für die Hochschulen

 
Dass sicherheitsrelevante Forschung für den deutschen Wissenschaftsbetrieb kein Neuland ist, zeigt unser Policy Paper "Innovation durch Sicher­heit, Innova­tion 
für Sicher­heit" (Februar 2026).

  • Breite Aktivität: 53 Prozent der deutschen Hochschulen forschen bereits aktiv in Feldern mit sicherheitsrelevanter Bedeutung wie Sensorik, resiliente Kommunikationssysteme oder Werkstofftechnik.
  • Die Rolle von Zivilklauseln: Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung sind Zivilklauseln nicht das Hauptprozesshindernis.
  • Bürokratie im Weg: Laut unserem Hochschul-Barometer 2025 hemmen vor allem der erhöhte bürokratische Aufwand (70,1 Prozent) und die Einhaltung von Sicherheitsstandards (66,7 Prozent). Ethisch-moralische Bedenken folgen erst mit Abstand (47,1 Prozent).
     

Drei zentrale Erkenntnisse

 
Die Analyse "Sicherheits- und Verteidigungsforschung neu denken" (Juli 2026), gestützt auf Interviews mit Fachleuten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und sicherheitsnahen Institutionen, lässt sich auf drei Punkte zuspitzen:

  • Priorisierung: Politische Aufmerksamkeit und Haushaltsmittel konzentrieren sich derzeit vor allem auf Rüstungsbeschaffung. Im Bundeshaushalt 2025 entfallen rund zwei Prozent des Verteidigungsetats auf Forschung, Entwicklung und Erprobung. Forschung und der Aufbau neuer Innovationskapazitäten spielen dagegen bislang eine geringere Rolle. Hilfreich wären mehr Mittel, vor allem aber eine Förderlogik, die disruptive Technologien stärker berücksichtigt und den Übergang vom Prototyp zur einsatzfähigen Lösung mitfinanziert.
     
  • Innovationssteuerung: Die Herausforderung liegt weniger in der Innovationskraft als in ihrer Steuerung. Spitzenforschung, industrielle Basis und junge Technologieunternehmen sind vorhanden, arbeiten aber häufig nebeneinander, verteilt auf Ressorts und Einzelprogramme. Es fehlt ein strukturierter Prozess, der sicherheitspolitische Bedarfe technologieoffen in Forschungsfragen übersetzt, ohne den Lösungsraum vorschnell auf einzelne Produkte zu verengen. Dazu gehören eine klare Rollenverteilung von der Bedarfsdefinition über Testfelder bis zur industriellen Skalierung sowie die Einbindung europäischer Programme als Erprobungs- und Skalierungshebel.
     
  • Querschnittsaufgabe: Sicherheit lässt sich zunehmend als wissenschaftliche Querschnittsaufgabe verstehen, in Hochschulen, Forschungseinrichtungen und wissenschaftlicher Politikberatung. Nicht jede Forschung wird zur Verteidigungsforschung, doch immer mehr Fachbereiche beschäftigen sich mit der Frage, welchen Beitrag sie zu Resilienz und technologischer Souveränität beitragen können. Zentral ist dabei Handlungssicherheit: Verlässliche Regeln für Verantwortung, Wissensschutz und Exportkontrolle geben Forschenden Orientierung. Klare ethische und rechtliche Leitplanken sowie belastbare Kontrollstrukturen sind daher von Beginn an wichtig.
     

Ausblick: Ein ungenutztes Potenzial von rund 22 Milliarden Euro

 
Dieselbe Analyse beziffert das ungenutzte wirtschaftliche Potenzial auf bis zu rund 22 Milliarden Euro jährlich. Dieses Potenzial ist erheblich, und es zu erschließen dürfte zu einer der wichtigen Aufgaben der kommenden Jahre gehören. Gelingen kann das vor allem dann, wenn Forschung, Erprobung und industrielle Anwendung besser ineinandergreifen.

Ein Ansatzpunkt ist der Vorschlag des Wissenschaftsrats, ein Strategisches Dialogforum für Wissenschaft und Sicherheitspolitik einzurichten. Sicherheitsrelevante Bedarfe entstehen heute an vielen Stellen gleichzeitig, in Ressorts, bei Sicherheitsbehörden, in Länderinitiativen, in Forschungseinrichtungen und in Unternehmen, ohne dass sie systematisch zusammengeführt werden. Ein Dialogforum könnte diesen Abgleich leisten und Forschungsbedarfe so beschreiben, dass Erprobung und Anwendung daran anknüpfen können.

Wie sich diese Erkenntnisse in konkrete Schritte übersetzen lassen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Der Stifterverband sucht dazu den Austausch mit Wissenschaft, Politik und Wirtschaft.

 

"Ich glaube, dass das Thema Sicherheit genauso wie beispielsweise das Thema Nachhaltigkeit oder KI ein klassisches Schlüsselthema ist. Für alle Disziplinen."

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Volker Meyer-Guckel im Videointerview
Volker Meyer-Guckel im Videointerview
Stifterverbands-Generalsekretär Volker Meyer-Guckel im Video-Interview

  

Kontakt

Maik Gebert (Foto: Marcel Schwickerath)
Maik Gebert (Foto: Marcel Schwickerath)

Maik Gebert

ist Referent für Forschungs- und Innovationspolitik im Stifterverband.

T 030 322982-364

Svetoslava Antonova-Baumann (Foto: Marcel Schwickerath)
Svetoslava Antonova-Baumann (Foto: Marcel Schwickerath)

Dr. Svetoslava Antonova-Baumann

ist Teamleiterin im Fokusthema "Forschung und Innovation systemisch gestalten".

T 030 322982-575

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