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Innovation durch Kooperation: Public-Private-Partnerships in der Praxis

Puzzle (Symbolbild) (Foto: Tanja Tepavac/Unsplash)
Puzzle (Symbolbild) (Foto: Tanja Tepavac/Unsplash)
Bild: Tanja Tepavac/Unsplash (bearb.)
Forschung & Entwicklung
Innovationspolitik
Kollaboration
Gute Praxis
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Anastasia Tomskikh (Foto: Marcel Schwickerath)
Anastasia Tomskikh (Foto: Marcel Schwickerath)
Anastasia Tomskikh
Cornels Lehmann-Brauns
Cornels Lehmann-Brauns
Cornels Lehmann-Brauns
Veröffentlicht
10.09.2026

Wenn öffentliche Haushalte unter Druck geraten und Unternehmen bei Forschung und Entwicklung zurückhaltender investieren, braucht Innovationspolitik neue Wege. Public-Private-Partnerships (kurz PPPs) können Kräfte bündeln und Risiken auf mehrere Schultern verteilen.
 

Der Stifterverband und PD – Berater der öffentlichen Hand – analysieren in diesem Artikel erfolgreiche PPP-Projekte und diskutieren, unter welchen Bedingungen solche Kooperationen gelingen und wie ihre Potenziale für neue Vorhaben genutzt werden können.

Innovation entsteht selten allein

 
Deutschland steht innovationspolitisch unter Druck. Technologien entwickeln sich immer schneller, weltweit und zunehmend unter dem Einfluss geopolitischer Interessen. Innovationsfähigkeit entscheidet deshalb nicht nur über die wirtschaftliche Wettbewerbs­fähigkeit, sondern auch über technologische Souveränität, sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit und gesellschaftliche Resilienz.

Auch finanziell werden die Spielräume enger: Die Haushalte von Bund und Ländern stehen unter hohem Druck, zugleich wachsen die Forschungs- und Entwicklungs­investitionen der Unternehmen nicht ausreichend. Der Investitionsbedarf für Zukunftstechnologien steigt, doch weder die öffentliche noch die private Seite kann ihn allein decken.

 

Public-Private-Partnerships: Stärken sinnvoll verbinden

 
In diesem Artikel bezeichnet Public-Private-Partnerships (PPP) Kooperationen, in denen öffentliche und private Akteure Ressourcen und komplementäre Kompetenzen bündeln, um gemeinsame Ziele zu erreichen.

Innovationen sind gerade in frühen Entwicklungsphasen mit hohen Risiken verbunden und erfordern erhebliche Investitionen. Public-Private-Partnerships können diese Hürden senken: Öffentliche Akteure verfolgen langfristige Ziele, sichern öffentliche Interessen ab und tragen einen Teil der Risiken mit. Private Akteure steuern Kapital, Marktkenntnis, technologische Kompetenz und Umsetzungskraft bei. Gemeinsam können beide Seiten Lücken schließen, die weder klassische Förderprogramme noch der Markt allein überwinden.

 

Drei Bereiche mit besonderem Potenzial

I. Finanzierung von technologieintensiven Gründungen

 
Zwischen Forschung, Markteinführung und Wachstum entstehen bei wissenschafts­basierten Start-ups oft Finanzierungslücken. Öffentlich-private Fonds oder Co-Investment-Modelle können diese Phase überbrücken und zusätzliches privates Kapital mobilisieren. Der Deutschlandfonds setzt genau hier an.
 

Praxisbeispiel: Deutschlandfonds

 
Mit dem Deutschlandfonds wollen Bundesregierung und KfW private Investitionen in Zukunftstechnologien anstoßen. Dafür stellt der Bund öffentliche Mittel und Garantien in Höhe von rund 30 Milliarden Euro bereit. Insgesamt sollen so Investitionen von rund 130 Milliarden Euro angestoßen werden – als Investitionsoffensive neben dem staatlichen Sondervermögen.

Die KfW koordiniert den Fonds und setzt die Programme um. Über ihre Beteiligungs­gesellschaft KfW Capital investiert sie zusammen mit privaten Venture-Capital-Fonds in innovative Start-ups und Scale-ups. Die privaten Fonds bringen eigenes Kapital ein. Gemeinsam mit der öffentlichen Seite finanzieren sie junge Technologie­unternehmen, etwa in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Biotechnologie oder DeepTech.

Öffentliche Mittel können private Investitionen gezielt ergänzen, wie dieses Beispiel zeigt. So erhielt das Münchner Drohnen-Start-up Quantum Systems als erstes Unternehmen eine gemeinsame Investitionszusage von KfW Capital und dem privaten Investor HV Capital im Rahmen des Programms Scale-up Direct.
 

Quellen:

Grafik "Der Deutschlandfonds: Kerninstrument" (Quelle: KfW Urheber/Fotograf: Fotos: Adobe Stock/rh2010; Alex Habermehl; Adobe Stock/Petrus Bodenstaff)
Grafik "Der Deutschlandfonds: Kerninstrument" (Quelle: KfW Urheber/Fotograf: Fotos: Adobe Stock/rh2010; Alex Habermehl; Adobe Stock/Petrus Bodenstaff)
Quelle: KfW Urheber/Fotograf: Fotos: Adobe Stock/rh2010; Alex Habermehl; Adobe Stock/Petrus Bodenstaff
Der Deutschlandfonds: Kerninstrument

 

II. Der Staat als Ankerkunde

 
Öffentliche Beschaffung gilt oft als Verwaltungsaufgabe, kann aber auch ein Instrument der Innovationspolitik sein. Wenn die öffentliche Hand gezielt innovative Lösungen nachfragt, schafft sie erste Märkte, senkt Investitionsrisiken und sendet wichtige Signale an private Kapitalgeber. Besonders wichtig ist diese Rolle bei Zukunftstechnologien.
 

Praxisbeispiel: Innovative öffentliche Beschaffung

 
Das deutsch-französische Start-up The Exploration Company entwickelt mit Nyx eine wiederverwendbare Raumkapsel. Sie soll künftig Fracht und perspektivisch auch Astronautinnen und Astronauten zu Raumstationen transportieren. Als das Unternehmen 2024 einen Entwicklungsauftrag der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA) erhielt, war die Technologie noch in einer frühen Entwicklungsphase und nicht marktreif.

Mit ihrem Auftrag schuf die ESA einen ersten verlässlichen Markt für die neue Technologie und verringerte die Unsicherheit für weitere Investoren. Wenige Monate später schloss das Unternehmen die bis dahin größte Finanzierungsrunde eines europäischen Raumfahrt-Start-ups ab. Daran beteiligten sich neben privaten Venture-Capital-Investoren auch öffentliche Fonds aus Deutschland und Frankreich.

Der Fall zeigt: Als Ankerkunde kann der Staat Innovationen beschleunigen. Öffentliche Nachfrage schafft Vertrauen, mobilisiert zusätzliches Kapital und erleichtert neuen Technologien den Weg in den Markt.
 

Quellen:

 

III. Forschungs- und Transferinfrastrukturen

 
Reallabore, Innovationscampi, Testfelder oder Gründungszentren entfalten mehr Wirkung, wenn Wissenschaft, Unternehmen und öffentliche Akteure gemeinsam Verantwortung übernehmen. Solche Orte ermöglichen Forschung und sorgen zugleich dafür, dass neue Erkenntnisse tatsächlich in Anwendungen und Geschäftsmodelle einfließen.

 

Praxisbeispiel: Innovation Park Artificial Intelligence (IPAI)

 
In Heilbronn entsteht mit dem Innovation Park Artificial Intelligence (IPAI) ein anwendungszentrierte KI-Innovations- und Kollaborationsplattform, mit Mitgliedern aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. IPAI entwickelt Angebote, die direkt auf die Bedürfnisse der Unternehmen zugeschnitten sind, um die KI-Forschung direkt in die Anwendung zu übertragen.

Das IPAI ging aus einem Standortwettbewerb des Landes Baden-Württemberg hervor. Zu den Initiatoren zählen das Land Baden-Württemberg, die Dieter Schwarz Stiftung, die Unternehmen der Schwarz Gruppe und die Stadt Heilbronn. Das Land Baden-Württemberg und die Dieter Schwarz Stiftung stellen jeweils bis zu 50 Millionen Euro als Anschubfinanzierung bereit. Die weitere Finanzierung wird über die Unternehmen der Schwarz Gruppe gesichert.

Das Beispiel zeigt, wie öffentliche Hand und private Akteure gemeinsam leistungsfähige Innovationsökosysteme schaffen können. In ihnen wirken Forschung, Kapital und unternehmerische Umsetzung eng zusammen.
 

Quellen:

Visualisierung des geplanten IPAI-Campus in Heilbronn (Quelle: News | IPAI ©IPAI/MVRDV. Rückfragen an press@ip.ai)
Visualisierung des geplanten IPAI-Campus in Heilbronn (Quelle: News | IPAI) ©IPAI/MVRDV. Rückfragen an press@ip.ai)
Quelle: News | IPAI ©IPAI/MVRDV. Rückfragen an press@ip.ai
Visualisierung des geplanten IPAI-Campus in Heilbronn

 

Public-Private-Partnerships: auf die Governance kommt es an

 
Public-Private-Partnerships ersetzen keine verlässliche öffentliche Forschungsförderung und lösen nicht jedes innovationspolitische Problem. Sie eignen sich dort, wo ein klares öffentliches Interesse besteht, hohe Risiken private Investitionen bremsen und beide Seiten einen erkennbaren Mehrwert einbringen können.

Angesichts knapper werdender Ressourcen dürfte ihre Bedeutung dennoch wachsen. Denn die innovationspolitischen Herausforderungen der kommenden Jahre können weder der Staat noch der Markt allein bewältigen. Erfolgreiche Innovationspolitik muss Wissenschaft, Wirtschaft und öffentliche Akteure künftig stärker strategisch zusammenbringen. Public-Private-Partnerships können dabei ein wichtiger Baustein sein.
 

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